Plakat


Einladungskarte


Pressetext

«Kunst zu Hause III»

Wir sind uns gewohnt, Kunst in Galerien, im öffentlichen Raum und in Museen zu sehen. Wir machen es für einmal anders und zeigen Kunst zu Hause. Wir öffnen unsere Haustüre, um eine temporäre Sonderausstellung zu präsentieren. Wir möchten damit zeigen, wie unser Leben im Alltag durch Kunst bereichert wird und uns jeden Tag von Neuem inspiriert. Sieben von uns verehrte Schweizer Künstlerinnen und Künstler bringen ihre Werke in unser Haus.

Die sieben Künstlerinnen und Künstler: Bruno Augsburger, Chrissy Angliker, Douglas Mandry, Marco Russo, Maria Pomiansky, Patrick Salutt und U5.

Wir möchten den Besucher*innen zeigen, dass man Kunst erster Güte in allernächster Nähe zeigen, sehen und kaufen kann.

Einladungskarten und Pressetext der Künstlerinnen und Künstler

Bruno Augsburger: Die Beschäftigung mit Natur und Wildnis hat ihn fotografisch geprägt. Sein Auge und sein Gespür wurden für Landschaften ebenso sensibilisiert wie für Menschen oder Objekte. Seine Bilder schreien nie, sondern sprechen eine lautlose, aber klare und direkte Sprache. Sie leben von einer unaufdringlichen Eindringlichkeit. Aufgewachsen im Berner Oberland, studierte Bruno Augsburger, 54, in Zürich und Leipzig Fotografie. Heute lebt er im Unterengadin, wo er viel in den Bergen unterwegs ist. Sein Schaffen führt ihn immer wieder in die Weiten Skandinaviens oder Kanadas.

Chrissy Angliker (1983, Winterthur) pinselt, spachtelt und knetet die Farben kübelweise und über mehrere Tage hinweg flächig, punktuell oder fliessend auf die Leinwand, bis dreidimensionale und vielschichtige Werke entstehen. Sie ist zierlich gebaut, trotzdem sind ihre Arbeiten mehrere Kilogramm schwer. Von Nahem erkennt man einen intuitiven, gefühlsgetriebenen Prozess, der tastend ergründet werden kann. Die Pracht zeigt sich erst aus der Ferne und man erkennt konturenhaft Menschen und Objekte, geborgen und doch irgendwie verloren in ihrer Welt. Die Bilder sind kreative Kraftakte von grösster Ehrlichkeit. Wer das Glück hat, mit ihr über Kunst sprechen zu können, spürt ihr wundervolles Herz, das sie eindringlich-triebhaft und neugierig auf die Leinwand zaubert.

Douglas Mandry (1989, Genf) Douglas ist ein Naturverehrer, der diese schön veredelt. Sein Zugang ist die gesammelte Fotografie, die er auf mannigfaltige Arten umgestaltet und in Serien frisch sortiert. Die Landschaft wird eingefärbt, gekratzt, der Natur überlassen, vereinfacht, neu zusammengesetzt oder schlicht auf andere Oberflächen übertragen. Er verleiht ihr Charakter und sie wird persönlich. Ihre Realität erhebt sich wesentlicher und mächtiger. Die monströse Kulisse schwindet freundlich und wirkt lieblich anziehend. Subtil werden wir eingeladen, uns gleichfalls farbenfroh zu kostümieren und von einer freundschaftlichen Seite zu zeigen.

Marco Russo (1984, Glarus) Wie baut der Künstler sein Gemälde auf? Bei Marco beginnt es mit der Grundierung, die er über- und nebeneinanderlegt und so erfährt, was die Farben erleben: Das Öl fliesst seitlich und in die Tiefe. Es entstehen Strukturen, Vermischungen und Verfremdungen. Poröses und glatt Glänzendes wechseln sich ab. Die – so gut es geht realistischen – Naturfragmente sitzen nicht, sie schweben beweglich auf einem Farbteppich. Nachahmen und doch sich selbst erkennen in der zeitlosen Malerei. Befreit vom Detail beginnt die Atmosphäre. Ein Untergrund und Landschaftsmerkmale, wie bei einer Kinderzeichnung. Wolkenknäuel, Linienberg über den Rand hinaus, Strichwasser(-see). Die Momente fliessen auf dem Plasma. Geplante und zufällige Kunst. Erlernte und naive Kunst. Lichteinfall und Blickwinkel lassen es spiegeln und flimmern. Das Gebildete wechselt seinen Zustand. Die «Land»wand ist aufgeladen und doch wirkt ihre Energie gefasst.

Maria Pomiansky (1971, Moskau) zeichnet unentwegt, was sie umgibt. Die Stadt mit ihren Gebäuden und Strassen. Menschen in Büros oder ihren Ateliers. Der Bildausschnitt ist so gewählt, dass er Intimität ausstrahlt und doch allgemeingültig wirkt. Das Merkmal ist die Auswahl der Acryl-Filzstifte. Der Alltag wird farbgeladen und verführt uns zu opulenten Wünschen. Maria schenkt Aufmerksamkeit und hält das Glück für uns fest. «Protokoll-Zeichnungen» nennt sie dieses Dokumentieren. Ihre Farben werden zum süssen Aufstrich auf unserem Alltagsblick. Wärmer und lieblicher wird es. Das Wiedergegebene kann erkannt werden und wir werden glücklich überrascht, was die Malerei (aus uns) zu machen vermag. Rosa bis Violett, Blau und Grün, wir sehen gerne hin. Wieso sieht Maria ihre Umgebung so?
Eine Anleitung zum Glück-Sehen. Farbe und Malerei werden zur Zauberei.

Patrick Salutt (1992, Suschist ein Multiinteressierter und -talentierter: Bauernsohn, Skilehrer, Musiker, Architekt, Schriftsteller. Er ist ein Sammler, dessen Sinne alle offen sind, und man erahnt in seinen Gestaltungen das tiefe menschliche Bedürfnis, dieses umtreibende und unruhige Leben in einem friedenbringenden Kunstwerk einzufangen. Seine sprudelnde Ehrlichkeit bei diesem grossen Unterfangen ist einmalig. Er saugt alles auf und schreibt es stürmisch in seinen Archivbüchern nieder in der Hoffnung, dass er es nicht wieder verliert. Worterfahrung wird zur farbig gewordenen Leinwand. Ich fühle mich seelenverwandt/-verstanden und glücklich, ihm folgen zu dürfen.

U5 (2007 in Zürich gegründet) Das Kollektiv macht U5 einzigartig und ist selbst schon ein Produkt, das die Kunstgesellschaft und ihre Mechanismen in Frage stellt und ihr eine glaubwürdige Alternative aufzeigt. Narzissmus und Gigantismus werden auf dem Weltmarkt schier unbegrenzt belohnt und verehrt. Minimieren, Solidarisieren, Respektieren sind Gegenpositionen.
U5 verbinden individuelle Visionen und Fähigkeiten zu in die Zukunft weisenden Kreativstücken. Eine demokratische Botschaft, die uns auffordert, selbst zu denken und Gesellschaften zu gestalten. Ihre Werke versetzen uns in einen träumenden Gefühlszustand und wirken wie Raumfahrtobjekte auf dem Weg in eine utopische Welt.
Bei meinen verschiedenen Atelierbesuchen waren nie dieselben Künstler*innen da und ihre Allianz wird in ihrem Kreativzentrum an der Flüelastrasse in Zürich wunderbar gelebt. Man möchte am liebsten an die Tische sitzen und mitmachen. Die Arbeiten leben von diesem Bauen von verschiedenen Seiten her. Man stellt sich zwar mit Vornamen vor, aber die Werke sind kollektiv U5.